2014 Körperwelten Hamburg - Eine HERZenssache. Zwischen Wissenschaftlichkeit und Effekthascherei

Sonntag, 14 Uhr. Ich stehe in der Schlange, erwartete 40 Minuten Wartezeit bis zum Eingang in die "Körperwelten-Ausstellung" in der Kulturcompagnie, Hafencity/Hamburg. Durch ein offenes Fenster im Souterrain erhasche ich einen Blick auf ein Exponat - sofort kommt mir Lady Gaga in den Sinn, wie sie 2010 bei den MTV Music Awards im "Fleisch-Bikini" auftrat.

An Gunther von Hagens Plastinaten scheiden sich die Gemüter. Von Ekel über Effekthascherei bis hin zur Faszination - alle Schlagworte scheinen möglich. Der heimliche Pathologe in mir hat mich in diese Ausstellung getrieben. Ich glaube, für angehende Biologen und Mediziner ist sie perfekt, um Anatomie zu studieren.

Das Thema HERZenssache scheint mir indes bewusst gewählt, um den Fokus auf die medizinische Seite zu lenken und damit die Plastinaten-Show zu legitimieren und Skeptiker zu überzeugen. Gut, es gibt auch verkalkte Aorten und Herzschrittmacher zu sehen, aber was haben dann die verstorbenen Föten hier zu suchen. Und vor allem: Welche Mutter stellt ihr totes Kind zur Verfügung? Überflüssig und fragwürdig auch das Exponat zweier Korpulierender. Mir scheint: das gewählte Thema ist wohl eher eine Herzensangelegenheit von Gunter von Hagen.

Abgesehen von diesem Kritikpunkt möchte ich zu bedenken geben: Es gibt andrerseits ja auch Menschen, die ausgestopfte Tiere sammeln. Diese Lebewesen haben nicht selbst entschieden, Trophäen zu werden. Ist das hier dadurch moralisch vertretbarer?

Mein Fazit: Überraschend, lehrreich, informativ, aber durchaus auch kritisch zu betrachten - oder welchen Eindruck habt ihr?

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Kommentare: 1
  • #1

    Klabund (Mittwoch, 06 August 2014 15:00)

    Jede Körperwelten hat ein bestimmtes Thema, in diesem Fall das Herz, und zudem werden dann noch Plastinate aus allen Themen gezeigt.
    Wenn es dort nur plastinierte Herzen und etwas über Diastole und Systole zu sehen gäbe, dann wäre das Gemecker noch größer weils ja gar nicht die tollen Ganzkörper-Plastinate aus der Werbung zu sehen gibt.
    Ansonsten ist die ganze "Kritik" hier ziemlich beliebig und passt auf jede Ausstellung der letzten 20 Jahre.